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Der Petrodollar endete am 9. Juni 2024

Der Petrodollar endete am 9. Juni 2024 Nun sind die Saudis in keinem Bündnis mehr mit den USA – Bild: kalhh auf Pixabay.com

Das U.S.-Saudi-Petrodollar-Bündnis bildete für fünf Jahrzehnte die Grundlage der amerikanischen Weltmachtstellung. Nach dem Beitritt Saudi Arabiens zu den BRICS zeichnete sich ab, dass dies baldige Vergangenheit sein würde.

Nun sind die Saudis in keinem Bündnis mehr mit den USA.

Am 9. Juni 2024 kündigte Saudi-Arabien an, dass es das Petro-Dollar-Abkommen mit den USA nicht verlängern werde. In dieser Entscheidung spiegelt sich ein weltweiter Trend zur Entdollarisierung. Immer mehr Länder unternehmen große Anstrengungen, ihre Abhängigkeit vom US-Finanzimperialismus, sprich vom Dollar im internationalen Handel zu verringern. Dieser Entschluss Riads ist eine strategische Entscheidung Saudi-Arabiens, seine Wirtschaftspartnerschaften zu diversifizieren und sich stärker an den aufstrebenden Wirtschaftsmächten wie China, Russland und den BRICS-Staaten zu orientieren. Das wird sich nicht nur auf die saudische Ökonomie, sondern auf die Weltwirtschaft, vor allem auf die US-Wirtschaft und die Dollar-Bewertung auswirken.

Das Petrodollar-Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien war nach der ersten Ölkrise 1973 abgeschlossen worden. Der umgangssprachliche Begriff Petrodollar – eine Abkürzung für Petroleum-Dollar – bezieht sich dabei auf die Rolle des US-Dollars als alleinige Währung für Rohöltransaktionen auf dem Weltmarkt. Die Vereinbarung hatte ihre Wurzeln in der Abkehr der Vereinigten Staaten vom Goldstandard, was weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft haben sollte. In der Geschichte des globalen Finanzwesens hatte kein anderes Abkommen so viele Vorteile für die USA wie der Petrodollar. Der Petrodollar selbst ist keine Währung, sondern der normale US-Dollar, aber er installierte einen Mechanismus, der dem US-Dollar den Status einer weltweiten Reservewährung verlieh. Die gesamte Welt musste über Dollar verfügen, wollte sie am Welthandel teilnehmen.

Das Abkommen wurde nach der Ölkrise von 1973 geschlossen und sah vor, dass Saudi-Arabien seine Ölexporte ausschließlich in US-Dollar abrechnet und seine überschüssigen Öleinnahmen in US-Staatsanleihen investiert. Im Gegenzug „gewährten“ die USA dem Königreich militärische Unterstützung und Schutz. Diese Vereinbarung war in der damaligen Zeit für beide Seiten ein Gewinn: Die USA erhielten eine stabile Ölquelle und einen Absatzmarkt für ihre Schulden, während Saudi-Arabien seine wirtschaftliche und allgemeine Sicherheit garantiert wurden. Allein die Tatsache, dass Öl in US-Dollar denominiert werden musste, hatte eine Bedeutung, die über das reine Ölgeschäft hinausreicht.

Denn die weltweit garantierte Nachfrage nach Dollar zum Kauf von Öl trug dazu bei, die Nachfrage nach Dollars permanent hoch und damit die US-Währung stark zu halten. So sind Importe für die amerikanischen Verbraucher bis heute immer noch relativ günstig. Darüber hinaus hat der Zufluss ausländischen Kapitals in US-Staatsanleihen zu niedrigen Zinsen und einem robusten Anleihemarkt geführt. Die Stärke des US-Dollars ist nicht nur ein Schlüsselfaktor für den hohen Lebensstandard in den USA, sie bildete auch die Basis für ein langanhaltendes Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Die Tatsache, dass Energie nicht ohne US-Dollars gekauft werden konnte, erschien als ein unumstößliches Grundgesetz der modernen Welt und sicherte Investitionen in den USA. Egal welche Verletzungen der Menschenrechte und der Souveränität anderer Staaten die USA begingen, der Dollar hielt das aus.

Die sich verändernde Machtdynamik auf dem Ölmarkt ist ein entscheidender Faktor für die heutigen Veränderungen. Der Aufstieg alternativer Energiequellen wie erneuerbare Energien und Erdgas hat die Abhängigkeit der Welt vom Öl verringert. Darüber hinaus hat das Aufkommen neuer ölproduzierender Länder wie Brasilien und Kanada, aber auch die Frackingtechnologie die traditionelle Dominanz des Nahen Ostens in Frage gestellt. Das alles hat das Potenzial zur Störung der globalen Finanzordnung drastisch erhöht. Vor allem aber hat der Widerstand der Völker des Globalen Südens, wie das heute heißt, zu einer politischen Dynamik geführt, welche die Zukunft des US-Dollars und damit die unipolare Weltordnung des Westens zunehmend in Frage stellt. All das zusammen genommen, bildet die Grundlage für die aktuellen Kriege.

Das Auslaufen des Petrodollars wird die US-Wirtschaft und deren Finanzmärkte schwächen. Wenn Öl in beliebigen Währungen gehandelt werden kann, führt dies zu einem Rückgang der weltweiten Dollarnachfrage. Dies wiederum dürfte zu einer höheren Inflation, höheren Zinssätzen und einem schwächeren Anleihemarkt, also einem Bedeutungsverlust der USA führen. Das bedeutet eine wachsende Verschiebung der Weltwirtschaft und der globalen Machtdynamik. Geschuldet ist dies dem wachsenden politischen Zusammenschluss der Länder des Globalen Südens. Saudi Arabien gehört dazu und spielt dabei eine wachsende Rolle. Es sollte den Europäern klar werde, dass dies längst eine globale politische Bewegung gegen Kolonialismus und die Herrschaft des US-Finanzimperialismus ist. Zu recht wird in den Ländern des Globalen Südens vom Niedergang des Westens gesprochen. Der Ukrainekrieg ist erst in zweiter Linie eine militärische Auseinandersetzung. Die dahinterstehende ökonomische Auseinandersetzung erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Das dürfte Putins Linie sein.

Quellen und Verweise:
Wikipedia • Petrodollar
Fastepo/Youtube • officially end the Petrodollar, 11.06.2024
socbricsinsight • Saudi Petrodollar Deal Expires,what does it mean for the global oil market? 13.06.2024

 


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