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Russische Wirtschaft im Wandel

Russische Wirtschaft im Wandel Neue Montagehalle im Sasta Werkzeugmaschinenbau in Sasowo – Bild: Sasta

In Russland ist der Nicht-Öl- und Gassektor die Triebfeder des Umsatzwachstums für große und mittlere Unternehmen. Westliche Illusionen über mangelde Investitionen sind realitätsfern.

„Russland sei eine Tankstelle mit einem angeschlossenen Land“,

lästerte einmal der verstorbene US-Senator John McCain. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat, der Barack Obama 2008 unterlegen war, starb im August 2018. Überlebt hat ihn allerdings sein Bonmot bis heute. Russland sei ein ökonomischer Zwerg, unfähig zu Innovationen und habe eine Elite, die „ihr Kapital im Ausland in Sicherheit“ bringe. Derartige Zitate finden sich bis heute zu Hauf in den deutschen Qualitätsmedien, auch nach Beginn des Ukrainekrieges im Frühjahr 2022. Inzwischen ist der Westen nicht mehr in der Lage, seinen Proxy Ukraine ausreichend mit Munition zu versorgen. Russland ist zur achtgrößten Volkswirtschaft der Erde aufgestiegen, vor Ländern wie Kanada oder Italien. Das Narrativ wird bis heute verbreitet.

Ein weiteres Narrativ aus der stümperhaften Fast-Food-Küche der Krawallitätsmedien besagt, dies liege nur daran, dass Russland von der Natur mit unendlichen Ressourcen gesegnet worden sei. Öl, Kohle, Gas und jede Menge anderer Rohstoffe machten ausschließlich den Reichtum des Landes aus. Auch das wird gebetsmühlenartig in vielen Medien wiederholt. Selbst anderslautende Zahlen von Statistica beeindrucken wenig. Aber Russland entwickelt sich zur Industrienation und zu einem Hightech-Land. Laut der Nachrichtenagentur TASS stiegen die Einnahmen der großen und mittleren Unternehmen des Nicht-Ressourcen-Sektors in Russland im Jahr 2023 um 16,4 Prozent auf 184,9 Billionen Rubel. Währenddessen sanken die Einnahmen der Öl- und Gasunternehmen um 3,3 Prozent auf 65,8 Billionen Rubel, wie das Dienstleistungs-, Analyse-, Prüfungs- und Beratungsnetzwerk FinExpertiza mitteilte.

Deren Studie zeigt, dass der Anteil der Öl- und Gasindustrie an den Gesamteinnahmen der Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Umstrukturierung, des Rückgangs der Exporte und der Zunahme des verarbeitenden Gewerbes auf 26 Prozent gesunken ist. Das Gesamteinkommen der russischen Unternehmen stieg um 10,5 Prozent. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Unternehmen in Tschukotka, der Amur-Region, Tschetschenien, dem Autonomen Kreis Chanty-Mansijsk, dem Primorje-Gebiet, Tschuwaschien, der Region Smolensk und der Region Tjumen. Auch wenn in Deutschland kaum jemand diese Regionen kennt, sie entwickeln sich zu Boomtown-Regionen der Föderation. In vier Regionen, nämlich in St. Petersburg, der Region Kemerowo, dem Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen und der Region Nowgorod, gingen die Einnahmen der Unternehmen dagegen zurück.

Nach Angaben von Rosstat, der Statistikbehörde Russlands, beliefen sich die Gesamteinnahmen der großen und mittleren Unternehmen im Jahr 2023 auf 250,7 Billionen Rubel, was einem Anstieg von 23,9 Billionen Rubel oder 10,5 Prozent gegenüber 2022 entspricht. Diese Wachstumsrate ist höher als die durchschnittliche jährliche Inflationsrate der Verbraucher (5,9 %) und der Industrie (4 %). Der Nicht-Öl- und Gassektor war der Haupttreiber dieses Wachstums. Der Cashflow stieg um 16,4 Prozent oder 26,1 Billionen Rubel auf 184,9 Billionen Rubel an. Die Agentur bezieht sich dabei auf die Analysen von FinExpertiza. Insgesamt stärken die Nicht-Rohstoffunternehmen ihre Position. Im Jahr 2023 wird der Anteil der Unternehmen, die nicht in der Öl- und Gasförderung und -raffination tätig sind, an den Gesamteinnahmen von 70 Prozent im Jahr 2022 auf 74 Prozent steigen.

Analysten stellten fest, dass die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor von 30 Prozent auf 26 Prozent, also um etwa ein Sechstel zurückgingen. Ihnen zufolge hatten die Rohstoffunternehmen im vergangenen Jahr mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In den ersten Monaten wurde ein Embargo für den Export von Erdöl und Erdölprodukten nach Europa verhängt und eine Preisobergrenze für Energielieferungen an andere Länder eingeführt. Obwohl es möglich war, die fehlenden Exporte durch Lieferungen an befreundete Staaten zu ersetzen, war es nicht möglich, die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft auf demselben Niveau zu halten.

In der ersten Jahreshälfte verzeichneten die Öl- und Gasunternehmen und ihre Dienstleister einen Rückgang der Einnahmen. Im Einzelnen sanken die Einnahmen im ersten Quartal um 28,7 Prozent und im zweiten Quartal um 17,2 Prozent. Im dritten Quartal war jedoch eine positive Entwicklung zu verzeichnen, und die Einnahmen stiegen um 18,2 Prozent. Das vierte Quartal war mit einem Zuwachs von 23,9 Prozent sogar noch günstiger.

Wirtschaftsexperten stellen fest, dass sich der Öl- und Gassektor in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der etablierten Lieferungen von Kohlenwasserstoffen an befreundete Märkte und der Abschwächung des Rubels gut entwickelte. Dies führte zu einem Anstieg der Exporteinnahmen in der Landeswährung. In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 wirkte sich der starke Wechselkurs jedoch negativ auf die Exporteure aus. Bis Ende 2023 sanken die Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent oder 2,2 Billionen Rubel auf 65,8 Billionen Rubel.

Dieser Rückgang ist auf niedrigere Kohlenwasserstoffpreise und einen Rückgang der Rohstoffexporte der Öl- und Gasunternehmen zurückzuführen. Der Rückgang der Energielieferungen an bestimmte Märkte war nicht allein auf die Sanktionsbeschränkungen zurückzuführen. Russland war in der Lage, den größten Teil der verlorenen Mengen auf befreundete Märkte umzuleiten. Auch die Verringerung der Ölproduktion im Rahmen der OPEC+-Vereinbarung war ein Faktor. Der Nicht-Ressourcen-Sektor wurde jedoch durch Haushaltsanreize angekurbelt, insbesondere die verarbeitende Industrie, einschließlich der Metallurgie. Russland ist auf dem Weg zur Hightech-Industrienation. Laut FinExpertiza führte der Produktionsanstieg zu einem Anstieg der Löhne und anderer Einkommensformen für die Bevölkerung.

Quellen und Verweise:
FinExpertiza
ScoBricsinsight
Der folgerichtige Aufstieg Russlands, scienzz 06.03.2024

 


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