Befindet sich Graphenoxid in den Covid-Impfstoffen?

Seit längerem kursieren Gerüchte, nach denen sich Graphenoxid in den Covid-19-Impfstoffen befinden soll.

Ein kleiner "Faktencheck", der zeigt, wie schwer die Wahrheit zu finden ist.

Immer wieder begegnet uns das Gerücht, dass die Impfung neben den "regulären Zutaten" auch Graphenoxid enthielte. Erst jüngst ist dies mit dem mysteriösen Tod von Dr. Noack wieder aufgekocht, der kurz zuvor in einem Video auf die Gefahren von Graphenoxid bzw. Graphenhydroxid hingewiesen hat. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, einmal selber zu recherchieren.

Mein erster Weg führt zu einem umstrittenen Portal, das im Bereich der Naturwissenschaften aber nicht so schlecht ist, zur Wikipedia. Hier erfahre ich, dass Graphenoxide (GO) einzelne Graphitlagen mit zusätzlichen Baugruppen aus Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff sind und damit eine Untergruppe der mehrlagigen Graphitoxide bilden. Es werden eine Reihe von technischen Anwendungen genannt, wobei die Biotechnologie hier nur rudimentär erwähnt wird. [1]

Auch der zweite Weg führt zu umstrittenen Seiten: zu den Faktencheckern. Nicht dass ich viel davon halte oder gar erwarte, hier eine befriedigende Antwort zu finden, doch für ein paar Verweise sind sie schon zu gebrauchen und außerdem leicht zu finden: Sie werden offensichtlich von Google-gespeisten Suchmaschinen bevorzugt präsentiert. Diese kommen zu dem wenig überraschenden Ergebnis, dass in den Impfungen kein GO enthalten ist und präsentieren das in einigen Fällen dann auch kindergartengerecht mit "NEIN, die Impfung enhält KEIN Graphenoxid" o.ä. Ein Ergebnis, dass vermutlich schon vor dem "Faktencheck" feststand.*

Immerhin erfahren wir hier, dass anscheinend eine Studie von Prof. Pablo Campra der Auslöser für die Gerüchte war. In seiner Studie vom 28. Juni 2021 beschreibt er eine licht- und transmissions-elektronenmikroskopische Untersuchung von dem Pfizer-Impfstoff Comirnaty und im Vergleich dazu eine Untersuchung von GO mit dem Fazit:

"Die mikroskopische Untersuchung der Probe liefere eine solide Evidenz für das Vorhandensein von Graphenderivaten." [2]

Allerdings räumt Campra ein, dass ihm nur eineProbenfläschchen vom Impfstoff mit begrenztem Inhalt zur Verfügung stand und dass für eine endgültige Indentifizierung ein spektroskopisches Verfahren eingesetzt werden müsse. Doch da auch in der Wissenschaft "Wer sucht, der findet" gilt, sei hier erwähnt, dass es von vorneherein die Zielsetzung der Studie war, GO in dem Impfstoff zu identifizieren. Es ist übrigens auch explizit vermerkt, dass die Studie nichts mit der Universität von Almeria zu tun hat, weswegen deren Distanzierung von der Studie unerheblich ist.**

Desweiteren stellte Karel Kingston, angeblich eine ehemalige Pfizer Mitarbeiterin, in der Stew-Peters-Show am 28.7.2021 die Behauptung auf, Pfizer würde GO in den Impfstoffen verwenden. Der Faktencheck von Corrective erwähnt in diesem Zusammenhang eine Veröffentlichung von chinesichen Wissenschaftlern, die dort einen Covid-Impfstoff auf Basis von GO vorstellen [4].

Doch auch in anderen Artikeln wird GO als mögliches Adjuvans von Impfstoffen u.a. gegen COVID-19 beschrieben [5,14,19]. Die erste Schlussfolgerung ist also, dass der Einsatz von GO in Impfstoffen gegen Covid-19 untersucht wird und somit technisch wohl auch sinnvoll ist.

Natürlich weisen die Faktenchecker als nächstes auf die Behörden hin – in diesem Falle WHO, EMA und PEI – sowie auf die Hersteller selbst, die das Vorhandensein von GO mehr oder weniger klar dementieren. Für die Faktenchecker ist die Frage damit beantwortet; doch schaut man sich die zitierten Aussagen an, sind sie recht schwammig. Die Bandbreite reicht von (anscheinend) genauem Wissen:

„Graphen/Graphenoxid wird weder in der Herstellung von Covid-19-Impfstoffen noch in der Herstellung anderer in der EU beziehungsweise in Deutschland zugelassener Impfstoffe als Hilfsstoff eingesetzt.“ (Susanne Stöcker, PEI) [16]***

über den Verweis auf die vorliegenden offiziellen Listen der Inhaltsstoffe [z.B. 6,7] bis zu vorsichtigeren Aussagen wie:

„Die EMA hat weder bei ihren Bewertungen noch bei laufenden Tests glaubwürdige Hinweise darauf gefunden, dass ein Covid-19-Impfstoff Graphenoxid enthält.“ [1]

Auch die Anfrage eines Arztes über "Frag-den-Staat" an das RKI ergab nur eine ausweichende Antwort mit Verweis auf das PEI. Diese Anfrage ist interessanterweise im Internet nicht mehr frei zugänglich, es scheint als seien alle Anfragen in Bezug auf GO gelöscht oder verborgen. [8]

Vertraut man also dem Beipackzettel und den Herstellen, ist kein GO in den Impfungen vorhanden. Aber gerade deren Aussagen steht die Untersuchungen Campras entgegen, der im November noch einmal mit einer Studie nachgelegt hat, bei der er seine ersten Ergebnisse mit Hilfe der Ramanspektroskopie bestätigt sieht, aber weitere Untersuchungen für notwendig hält.

"Obwohl die Ergebnisse dieser Probenahme schlüssig sind in Bezug auf das Vorhandensein von Graphen-Strukturen in einigen analysierten Proben, wird diese Untersuchung als offen für eine Fortsetzung betrachtet und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Replikation und Optimierung zur Verfügung gestellt, wobei es als notwendig erachtet wird, eine detailliertere und umfassendere Spektralstudie anzuschließen, die auf statistisch signifikanten Stichproben ähnlicher Fläschchen basiert, und die Anwendung ergänzender Techniken zur Bestätigung, Widerlegung, Qualifizierung oder Verallgemeinerung der Schlussfolgerungen dieses Bericht. Die analysierten Proben werden ordnungsgemäß aufbewahrt und stehen für zukünftige wissenschaftliche Zusammenarbeit zur Verfügung." [9]

Gegen die Aussagen der Impfstoffhersteller stehen auch die lichtmikroskopischen Untersuchungen, die mehrere Ärzte bei der Pathologie-Konferenz am 20.09.2021 vorstellen und bei denen sie größere Partikel in Impfstoffen gefunden haben. Auf der entsprechenden Webseite befindet sich darüberhinaus ein Dokument, in dem die EDX-Analysen dieser Fremdkörper (durchgeführt von einer nicht genannten deutschen Hochschule) vorgestellt aber leider nicht diskutiert werden. Auch wenn die Pathologie-Konferenz wissenschaftlichen Standards nicht entspricht und sie viele Fragen offen läßt, sollte man diese Indizien durchaus ernst nehmen. [10-12]

Dagegen steht auch die Aussage Michèle Rivasis – seit 2009 Mitglied des europäischen Parlaments –, die bzgl. der Zusammensetzung der Impfstoffe direkt bei der EMA angefragt habe. Die Antwort war, die Agentur kenne die genaue Rezeptur der Impfungen nicht und habe auch keinen Zugang zu diesen Daten. [15]

Es gibt also Zweifel an den Herstellerangaben, aber ein Beweis für das Vorhandensein von GO ist nicht erbracht. Nur eins steht fest: Weder irgendwelche Produktionsrückstände noch GO als Zusätze für Medikamente sind zugelassen. Beide sind nicht unbedingt gesundheitsfördernd und zumindest Letzteres hat durchaus auch toxische Eigenschaften [13].

Zu erwarten wäre also, dass sowohl die Ergebnisse Campras als auch der Pathologie-Konferenz bei den Behörden zumindest dazu hätten führen müssen, dass dies geprüft wird. Nach meinem Wissen und dem der Faktenchecker ist das jedoch nicht geschehen. Vielmehr scheinen die Behörden blind den Herstellern zu vertrauen, möglicherweise weil überhaupt kein Budget für Laboruntersuchungen zur Verfügung steht.

Ist nun also GO in den Impfstoffen oder nicht?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

Aufgrund der Fakten und Indizien, die ich hier zusammengetragen habe, kann ich keine Antwort geben. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Untersuchungen hier Klarheit bringen, ob gefährliche Stoffe in der Impfung sind und wieviel die Hersteller verschweigen.

Die Faktenchecker jedenfalls lehnen sich weit aus dem Fenster, wenn sie sich mit geschwellter Brust hinstellen und "Nein" rufen. Wer ihnen aber vertraut, kann sich im DPA-Shop schon die passende Slideshow für seine Homepage kaufen.

Anmerkungen:

* zur Infantilisierung der Gesellschaft siehe hier

** In diesem Zusammenhang möchte ich den Preis für den schlechtesten Faktencheck an Factsforfriends verleihen, die in ihrer äußerst knappen und völlig unbelegten Bewertung der Studie feststellen: "Laut Expert*innen, die zur Auswirkung von Graphen auf die Gesundheit forschen, ist jedoch eine spektroskopische Untersuchung nötig, um den Fund zu bestätigen." [3] – Hoppla, bei den Experten handelt es sich vermutlich um Prof. Campra selbst.

Interessanterweise finden sich auch Faktenchecks wie "Graphenoxid in löslichem Kaffee?", bei dem durch die Blume mitgeteilt wird, dass auch Impfstoffe kein GO enthalten. Auch hier fehlen sämtliche Verweise, so dass er möglicherweise ein "offizieller" Fake ist.

*** Laut Correctiv gibt es beim PEI auch keine Kenntnisse darüber, welchen "potenziellen Nutzen der Zusatz von Graphen bei Impfstoffen haben sollte". Merkwürdig, dieser Behörde sollten doch Studien wie [4,5,14] bekannt sein.

 Quellen und Versweise:
[1] Wikipedie: Graphenoxid
[2] Pablo Campra: DETECCIÓN DE OXIDO DE GRAFENO EN SUSPENSIÓN ACUOSA
[3] Factforfriends
[4] Designing a Novel Nano-Vaccine against SARS-CoV-2

[5] Insights from nanotechnology in COVID-19 prevention, detection, therapy and immunomodulation
[6] Zusammensetzung Comirnaty
[7] Sicherheitsdatenblatt Comirnaty
[8] Frag den Staat - deaktiverter Link https://fragdenstaat.de/anfrage/anfrage-an-die-stiko-bezuglich-graphene-in-biontech-pfizer-und-moderna-impfstoffen/#nachricht-611957
[9] Pablo Campra: DETECTION OF GRAPHENE IN COVID19 VACCINES
[10] Pathologie Konferenz
[11] Pathologie Konferenz, Video Teil 2 - undeklarierte Inhaltsstoffe
[12] Pathologie-Konferen, PDF undeklarierte Inhaltsstoffe
[13] Toxicity of graphene-family nanoparticles: a general review of the origins and mechanisms
[14] Functionalized graphene oxide serves as a novel vaccine nano-adjuvant for robust stimulation of cellular immunity
[15] BT: Wurden die Notzulassungen der Covid-19-Impfstoffe verlängert
[16] Correctiv
[17] Faktencheck AFP
[18] Healthfeedback
[19] Patent: Nano coronavirus recombinant vaccine taking graphene oxide as carrier

 


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