Naomi Wolf: "Wir haben Schritt zehn auf dem Weg zum Faschismus erreicht"

Naomi Wolf: "Wir haben Schritt zehn auf dem Weg zum Faschismus erreicht" Bild von Michael Gaida auf Pixabay

Die Schrifstellerin und politische Aktivistin, Naomi Wolf, hat analysiert, mit welcher Methodik Demokratien im 20. Jahrhundert zerstört wurden und werden.

Sie fand heraus, dass dieser Prozess immer den gleichen zehn Schritten folgen.

In ihrem 2008 erschienen Buch "Das Ende Amerikas: Eine Warnung an einen jungen Patrioten" legte die Schrifstellerin Naomi Wolf eine Analyse all der demokratischen Staaten vor, die im Verlauf der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Diktaturen gekippt sind. Sie warnte davor, dass Amerika sich vor einem nur allzu möglichen Abgleiten in den Totalitarismus hüten müsse. Möchtegern-Tyrannen, egal ob politisch rechts oder links positioniert, folgten einer Art Blaupause, um Demokratien zu zerstören. Diese bestünde letztlich aus immer den gleichen zehn Schritten.

Ob sie "eine äußere und innere Bedrohung heraufbeschwören" oder "eine paramilitärische Truppe aufbauen" oder "die Presse einschränken" oder - in einem letzten Schritt - "die Rechtsstaatlichkeit untergraben", diese Schritte seien immer erkennbar - und sie funktionierten immer auf dem Weg von der Zerschlagung der Demokratien hin zur Errichtung von Tyranneien. Zu der Zeit als Naomi Wolf ihr Buch schrieb, wurde die "globale Bedrohung durch den Terrorismus" als das Gespenst aufgebauscht, mit dem die Mächtigen den Angriff auf die demokratischen Freiheiten begründeten.

Das Buch wurde viel gelesen und diskutiert, sowohl zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung als auch in den darauf folgenden zwölf Jahren. Und immer häufiger stellten die Leser die Frage, wann und ob wir "Schritt zehn" erreicht hätten.

Zusammen mit ihrer mutigen Verlegerin, Chelsea Green, veröffentlichte Naomi Wolf aktuell im Jahr 2021, ein kostenloses Video, in dem die Autorin das erste und das letzte Kapitel von "The End of America" vorträgt. Die Fortsetzung dieses Buches, an dem Wolf gerade schreibt, trägt folgerichtig auch den Titel „Step Ten" - denn seit März letzten Jahres

„sind wir in der Tat, wie ich leider sagen muss, beim 'Step Ten' der zehn Schritte zum Faschismus angekommen und haben begonnen, uns in ihm einzurichten", so Wolf.

Obwohl es im Jahr 2008 nicht explizit vorhersehbar gewesen sei, so Wolf, dass eine medizinische Pandemie das Vehikel sein würde, um den gesamten Globus in das Stadium von "Schritt Zehn" zu bewegen, habe sie an verschiedenen Stellen des Buches vor den Gefahren medizinischer Krisen als Mittel zum Zweck gewarnt, mit denen die Tyrannei operieren könne, um die Aussetzung der Bürgerrechte zu rechtfertigen.

Und genau heute werde eine hochgepushte medizinische Krise als Vorwand benutzt, „uns alle unserer zentralen Freiheiten zu berauben". Dagegen hatte die Angst vor dem Terrorismus trotz 20-jähriger Bemühungen nicht den gleichen Effekt. So seien im Jahr 2015 ihre Warnungen von den Mainstream-Medien weithin verspottet worden, als sie die Hysterie kritisierte, von der die Ebola-Berichterstattung geleitet wurde. Denn Wolf hatte bereits damals davor gewarnt, dass Infektionskrankheiten als Rechtfertigung für die Unterdrückung von Bürgerrechten benutzt werden könnten, und zwar im Gewand von Notfallmaßnahmen.

Im Jahr 2020 zeigte sie in ihren Buch "Outrages: Sex, Zensur und die Kriminalisierung der Liebe", wie ansteckende Krankheitsepidemien, wie Cholera und Typhus, im 19. Jahrhundert vom britischen Staat genutzt worden waren, um Freiheiten zu unterdrücken und in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Sie habe darüber geschrieben, wie die ersten Anti-Impf-Bewegungen unter britischen Eltern in der viktorianischen Zeit entstanden sind. Dieses Buch wurde zunächst sogar zurückgezogen, und seine warnende Botschaft werde weiterhin angegriffen. Wie vorausschauend dieses Buch war, bewies sich kurze Zeit später. Anfang März 2020 wurde nämlich eine globale Pandemie angekündigt: COVID-19.

Unmittelbar nach der Ankündigung und narrativen Aufladung dieser Pandemie wurden in den meisten Ländern des Westens fast alle Elemente eines vollständigen Totalitarismus eingeführt, auch in den Ländern, die zuvor als robuste Demokratien galten. Das alles geschah sehr schnell und umfassend.

Für die USA führt Naomi Wolf die zehn Schritte im Einzelnen wie folgt auf:

  1. Notstandsmaßnahmen in vielen Staaten, die ein ordentliches Gerichtsverfahren außer Kraft setzen. Das sei das Erkennungsmerkmal eines Polizeistaates. COVID-19 werde als Grund für die Einführung von Notstandsgesetzen angeführt - aber es gebe keinen Endpunkt für die Aufhebung dieser Notstandsgesetze.

  2. Die Schließung von Schulen, die den Gesellschaftsvertrag mit der nächsten Generation brechen.

  3. Gesetzesentwürfe für "Impfpässe", die den Vierten Verfassungszusatz der US-amerikanischen Verfassung aushebeln, indem sie der Regierung und den Big-Tech-Unternehmen erlauben, in die (medizinische) Privatsphäre einzudringen und einen umfassenden digitalen Überwachungsstaat zu errichten. Die Tatsache, dass Tech-Aktien in jedem Quartal der Pandemie um 27% gestiegen sind, belege den Antriebsfaktor dieses Krieges gegen den Menschen: Die COVID-19-Politik, die von einer Initiative namens "COVID-19-Response" - also von den Big-Tech-Unternehmen - vorangetrieben wird, sorgt dafür, dass Menschen nur über digitale Plattformen in Kontakt treten dürfen. Der Grund ist sowohl Profit als auch soziale Kontrolle.

  4. Erzwungene Schließungen von Unternehmen. Indem Politik und Regierung direkt in die Wirtschaft eingreifen und es großen Unternehmen erlauben, auf Kosten von kleinen Unternehmen (Main-Street-Läden, Restaurants und Einzelhandel) riesige Gewinne zu generieren (Amazon, Walmart), wurden Staat und Monople auf eine Weise verschmolzen, die für den italienischen Faschismus und den modernen chinesischen Kommunismus charakteristisch ist.

  5. Versammlungsbeschränkungen. Einige Staaten wie Kalifornien bestrafen Menschen dafür, dass sie ihre Freunde in ihren Häusern treffen, und verbieten es Kindern, sich mit ihren Spielkameraden zu verabreden. Auch in den meisten westlichen Ländern sind Versammlungen von mehr als 10 Personen eingeschränkt und die Schließung von Kirchen und Synagogen erzwungen worden, trotz gegenteiliger Urteile, etwa des Obersten Gerichtshofs. Parks, Spielplätze und Strände wurden geschlossen.

  6. Erzwungene Gesichtsverhüllung. In Massachusetts werden Menschen mit einem Bußgeld belegt, wenn sie im Freien keine Masken tragen - selbst Kinder im Alter von fünf Jahren werden per Gesetz dazu gezwungen. Auch diese Vorschrift wurde nicht durch Peer-Review-Studien untermauert, die die medizinische Notwendigkeit belegen. Und es wird kein Endpunkt für diese außergewöhnlichen Verletzungen der persönlichen Freiheit in Aussicht gestellt.

  7. Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Big Tech-Unternehmen wie Google und Facebook zensieren Kritiker der COVID-19-Maßnahmen und der Impfstoffpolitik. Mit Mobbing und Hetze wird versucht die freie Meinungsäußerung zu unterbinden und den Ersten Zusatz der US-amerikanischen Verfassung auszuhebeln. Mit anderen Formen des Meinungsmanagements, die nichts anderes als eine moderne Form der Zensur sind, finanzieren Tycoons wie Bill Gates große Nachrichtensender mit Millionen von Dollar für die COVID-19-Erziehung. Als Ergebnis werden abweichende Stimmen an den Rand gedrängt und diffamiert, oder sogar mit rechtlichen Schritten oder dem Verlust des Arbeitsplatzes bedroht.

  8. Die Wissenschaft wird im Interesse eines neuen "Biofaschismus" gekapert. Durch die massive Finanzierung wissenschaftlicher Corona-Apologeten wie Dr. Fauci in den USA, Imperial College und SAGE in Großbritannien oder Christian Drosten in Deutschland wird eine interessengeleitete Revision der Fundamente des seit Beginn der Aufklärung erworbenen Wissenskanons eingeleitet. Vor allem technische und pharmazeutische Interessen, die in Absprache mit den Regierungen handeln, betreiben diese Umdefinition wissenschaftlicher Standards. Wissenschaftlern und Institutionen, die eine Debatte oder Transparenz anstreben, wird mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gedroht und ihr Ruf wird angegriffen, wie im Fall von Dr. Simon Goddeke aus den Niederlanden, dem von seiner Universität ein Maulkorb verpasst wurde, als er die fehlerhaften COVID-19 PCR-Testprotokolle in Frage stellte.

  9. Daten werden gekapert, um den Interessen dieses Biofaschismus zu dienen. Diese Manipulation der Wahrheit, die Naomi Wolf in "Das Ende Amerikas" angesprochen hatte, war typisch für die sowjetischen Zensoren. Heute liefern COVID-19-Plattformen wie das COVID Tracking Project und die Johns Hopkins University, die von Technokraten wie Michael Bloomberg finanziert werden, unüberprüfbare COVID-19-Daten, die sich direkt auf die Aktienmärkte auswirken. Im Klartext: Während diese unamerikanische Verschmelzung von Unternehmensinteressen und öffentlicher Politik an den italienischen Faschismus erinnert, sei die Verdrehung, die durch die digitale Datenpräsentation und ihre Beziehung zum Aktienmarkt entsteht, ganz und gar im 21. Jahrhundert angekommen.

  10. Angriffe auf religiöse Minderheiten. An der orthodoxen jüdischen Gemeinde in Brooklyn und an christlichen Kirchen in Kalifornien wurde ein Exempel statuiert, als sie die COVID-19-Regeln nicht befolgten - eine Zielrichtung auf die Religionen, die für die kommunistische Politik charakteristisch war und ist, besonders im heutigen China.

Eine Politik, die die Bindungen zwischen den Menschen und vor allem die Familie schwächt, wird eingeführt und überwacht. Dies ist die schwerwiegendste Entwicklung von allen. Der neue Biofaschismus, der sehr stark von den Big-Tech-Führern vorangetrieben wird, ist ein Krieg gegen den Menschen und die Eigenschaften, die uns menschlich machen, formuliert Wolf.

Masken brechen die Fähigkeit der Menschen, sich von Angesicht zu Angesicht zu verbinden und menschlichen Kontakt, Lächeln und Witze zu genießen. Masken schränken die Effektivität menschlicher "Technologie" ein, indem sie es uns schwer machen, einander zu "lesen" und soziale Hinweise aufzugreifen. Das Verbot der Versammlung soll menschliche Allianzen gegen diese monströsen Interessen unterbinden. Das Verbot der menschlichen Versammlung - ein zentrales Grundrecht - verhindert auch, dass neue Kulturen, neue Helden und neue Geschäftsmodelle entstehen.

Kinder zu zwingen, sich in der Schule zu distanzieren und Masken zu tragen, lässt eine neue Generation entstehen, die nicht weiß, wie man menschliche Allianzen bildet, und die ihren eigenen menschlichen Instinkten nicht trauen. Das sind konterrevolutionäre Trainingstechniken. Das gesamte Lernen auf (bereits vorbereitete) Fernlernplattformen zu verlagern, stellt sicher, dass Kinder nicht wissen, wie man sich im menschlichen Raum verhält, einem Raum, der nicht durch Technologie vermittelt wird.

Viele COVID-19-Richtlinien scheinen darauf ausgelegt zu sein, sicherzustellen, dass Menschen keinen "analogen" Raum oder keine "analoge" Kultur mehr haben - keine Möglichkeit, sich einfach in einem Raum zu versammeln, einander als Freunde oder Verbündete zu berühren oder sich zusammenzuschließen.

Schließlich ist die Verlagerung aller menschlichen Interaktionen auf Zoom (das ein Fenster für die Kommunistische Partei Chinas ist, da China die Plattform besitzt) nicht nur ein Weg, um all unser Wissen, Geschäftsgeheimnisse und geistiges Eigentum abzugreifen, sondern es ist auch ein Weg, um sicherzustellen, dass Intimität und Verbindung in der Zukunft online stattfinden und der menschliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht abgetötet wird.

Warum ist das so, fragte Naomi Wolf. Warum wird eine Politik entwickelt, die den menschlichen Kontakt in analogen (unüberwachten, unvermittelten) Räumen bestraft, belastet und einschränkt?

Ihre Antwort ist einfach: Weil menschlicher Kontakt die große revolutionäre Kraft ist, wenn es um die menschliche Freiheit und den Widerstand gegen diese Form des umfassenden Biofaschismus geht - des Biofaschismus, der durch das "New Normal" repräsentiert wird - der medizinisch-faschistischen "Stufe Zehn".

„Aber dieses Mal haben wir es nicht nur mit einem Krieg gegen die Freiheit zu tun. Diesmal haben wir es mit einem Krieg gegen die Menschheit zu tun, und gegen alles, was uns menschlich macht."

Verweise:

Naomi Wolf, geboren 1962 in San Franzisco, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und politische Aktivistin. Sie gilt als eine der Wortführerinnen des Feminismus. Sie studierte englische Literatur an der Yale University und arbeitete als Rhodes-Stipendiatin an der University of Oxford.

Die neue Einleitung von Naomi Wolf zu „Das Ende Amerikas"
Youtube-Video: Naomi Wolf liest die Einleitung zu „The End of America"


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