Mutantia.ch – Zeit zum Mutieren

Mutantia.ch – Zeit zum Mutieren Bild von ELG21 auf Pixabay

Mutantia.ch ist eine Webseite, die ich vor einigen Jahren dank eines Artikels von Romano Paganini auf Infosperber kennenlernte und die mich sofort begeisterte. Doch wie es oft der Fall ist bei der Fülle an Informationen und guten Quellen, verschwand Mutantia für einige Zeit aus meinem Bewusstsein. Als wir Blautopf ins Leben riefen, hatten wir uns erhofft, Beiträge aus aller Welt bringen zu können, weil wir international vernetzt sind. Leider wurde daraus bis jetzt (fast) nichts; doch jetzt könnte sich das ändern.

Denn kürzlich fielen mir Mutantia und deren Betreiber Romano Paganini wieder ein und so nahm ich den Kontat mit dem in Ecuador lebenden Schweizer wieder auf, mit der Bitte, Beiträge von seiner Webseite für Blautopf übernehmen zu dürfen. Über seine positive Antwort haben wir uns sehr gefreut und danken ihm dafür sehr herzlich. Dank der neuen Kooperation mit Mutantia hoffen wir, dass wir öfters den Blick nach Südamerika richten und interessante Berichte aus einer ganz anderen Welt bringen werden.

Weil die Vorstellung von Mutantia Romano so gut gelungen ist, soll sie als erster Beitrag erscheinen, inklusive der Vorstellung ihres Schöpfers.

Zeit zum Mutieren – Kurzversion

Mutantia.ch ist eine Plattform für kritische und konstruktive Beiträge, mehrheitlich von ausserhalb Europas. Angesichts der multiplen Krisen unserer Zeit und der eintönigen Auslandberichterstattung in den Massenmedien erachten wir es als unsere Aufgabe, ein Gegengewicht zu schaffen. Die Welt besteht schliesslich nicht nur aus Europa, den USA, Russland, China und dem Nahen Osten. Ausserdem ist das 21. Jahrhundert vor ein paar Monaten volljährig geworden. Ein bisschen Horizonterweiterung kann da nicht schaden. Mutantia.ch wird mit einem wöchentlichen Newsletter dazu seinen Beitrag leisten – zusammen mit Journalisten, Schriftstellern, Fotografen, Illustratoren und Designern, die das Gleiche vorhaben.

Zeit zum Mutieren – etwas länger

Crisis, azma, kryzys, bunalim, kreppa, Krise: Egal in welcher Sprache man das griechische Wort krisis verwendet, überall bedeutet es etwas anderes. Die Krisenresistenz beispielsweise eines Argentiniers ist in der Regel grösser als die eines Schweizers, die Krise eines Multimillionärs aus dem Silicon Valley äussert sich anders als jene eines Bauern in Moçambique. Ab wann eine Krise eine Krise ist, hängt von der Person und den Umständen ab.

Und dennoch hat das Wort etwas Verbindendes. Denn Krise bedeutet nicht einfach eine hoffnungslose Situation, sondern Höhe- oder Wendepunkt eines gefährlichen Zustandes. Angesichts der multiplen Krisen in westlichen Gesellschaften ist für mutantia.ch deshalb klar: Es stellt sich nicht die Frage, ob es zur Wende kommt, sondern wie diese vonstatten geht. Lieber als Wende scheint uns allerdings der Begriff der Transition, also eines Übergangs. Die Transition wird deshalb einer der Pfeiler unseres Wirkens sein. Schliesslich hat sie wie das Wort Krise etwas verbindendes.

Im Zentrum stehen wird Lateinamerika, dieser ferne Kontinent am anderen Ufer des Atlantiks, über den nur bei Putschversuchen, Umweltkatastrophen oder Fussballspielen berichtet wird. Dabei liesse sich von ihm und seinen Bewohnern so einiges Lernen – nicht nur was den Umgang mit Krisen betrifft. Und da sich der Redaktionssitz von mutantia.ch derzeit in Ecuador befindet, werden die Beiträge hauptsächlich aus Abya Yala stammen. Abya Yala bedeutet Erde in ihrer vollen Blüte und war der Name Lateinamerikas, vor Ankunft der Europäer 1492.

Reportagen, Essays, Interviews, Standpunkte, Kommentare, Beobachtungen, Foto-Erzählungen, Videos oder Audios: mutantia.ch verschickt einmal wöchentlich einen Newsletter, der sich für drei oder zwölf Monate abonnieren lässt (siehe Abo). Für neugierige Skeptiker gibt’s alle sieben bis acht Wochen einen kostenlosen Newsletter gratis. Komplett gratis sind die spanischen Beiträge, die Ihr hier findet.

Die Welt steht Kopf und ihre Bewohner ebenfalls. Das kann man jetzt drehen und wenden wie man will. Am Ende sitzen wir jedoch alle im selben Boot – auch wenn das manche nicht wahrhaben wollen. Doch besser als sich gegenseitig mit dem Ruder auf den Kopf zu schlagen und sich auf seine fiktive Wohlstandinsel zurückzuziehen, scheint es uns, die Richtung zu definieren. Hautfarbe, Geschlecht und Einkommensklasse spielen dabei genauso wenig eine Rolle wie Parteizugehörigkeit oder Religion. Es ist Zeit sich selber zu überwinden. Es ist Zeit zum Mutieren.  

Romano Paganini Journalist und Betreiber von mutantia.ch

Mit 14 wusste er, dass er Journalist werden wollte, mit 23 war er es und mit 22 wurde er das erste Mal entlassen – also noch bevor er den Lehrgang am Medienausbildungszentrum in Luzern richtig abgeschlossen hatte. Der offizielle Grund: unüberbrückbare Differenzen bezüglich publizistischer Ausrichtung mit seinem Arbeitsgeber, die Neue Luzerner Zeitung.

Der folgende Job als Zivildienstler im Ausschaffungsgefängnis Zürich endete ebenfalls mit einer Kündigung, Begründung: unkalkulierbares Sicherheitsrisiko. Und als es nach knapp anderthalbjähriger Tätigkeit als Redaktor beim Tages-Anzeiger 2009 wieder soweit war – immerhin war er dieses Mal nicht alleine – da packte er seine Sachen und zog Richtung Westen.

In Argentinien gab er gelangweilten VW-Managern zunächst Deutschunterricht und versuchte sich dann ab 2012 als Lehmmaurer und Gärtner an der Küste. Auch heiratete er damals, um für seine Visa-Erneuerung nicht weiterhin alle drei Monate nach Uruguay pendeln zu müssen. Den Titel „falscher Tourist“, der ihm die Migrationsbehörde verpasste, trug er mit Fassung.

Journalistisch hatte er sich inzwischen auf die Agrarindustrie spezialisiert. Allerdings kam er nach mehreren Reisen in die Soja-Monokulturen zum Schluss, dass es aus gesundheitlichen Gründen besser sein würde, künftig über Themen zu schreiben, die zum Leben animieren. Und so stiess er auf seinen folgenden Recherchen auf jene Menschen, die an der Konstruktion eines enkeltauglichen Lebens wirkten.

Ende 2017 packte er sämtliche Interviews und Reportagen in ein Buch und taufte es „Manos de la Transición, relatos para empoderarnos“ – Hände der Transition, Geschichten, die uns stärken. Der 35-Jährige lebt mittlerweile in Ecuador, studiert Traditionelle Chinesische Medizin und gibt Chi Kung-Unterricht. Und er schreibt. Für sich, für die Welt und für mutantia.ch

Quellen:
https://mutantia.ch/uber-uns-2/
https://mutantia.ch/autor/

 


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