BUND lehnt Wasserstoff aus Atomenergie ab

BUND lehnt Wasserstoff aus Atomenergie ab Wiki Commons

Die Bundesregierung möchte im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft den Weg freimachen, um neben Wasserstoff aus fossilem Erdgas auch Wasserstoff aus Atomkraft in die EU-Förderung aufzunehmen.

Damit könnten zukünftig AKWs der vierten Generation als Bestandteil der Wasserstoffwirtschaft den Erneuerbaren Energien den Rang ablaufen. Wer zu laut nach der Wasserstoffstrategie als Teil des Kampfes gegen die Klimakrise ruft, könnte sich schnell bei der falschen Verwandtschaft wiederfinden und einem Revival der Atomkraft die Türen öffnen.

Der Aufbau einer angeblich grünen und nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft drohe damit bereits im Ansatz zu scheitern, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 27. November 2020. Eine Vorentscheidung ist vom Ausschuss der ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten (AStV) zu erwarten. Der endgültige Beschluss soll im Rahmen der Sitzung der EU-Energieminister am Montag, den 14. Dezember 2020, fallen. Deutschland sei aus gutem Grund aus der Atomenergie ausgestiegen, sagte dazu Verena Graichen, stellvertretende Vorsitzende des BUND. Diese Energiequelle sei weder sicher noch nachhaltig, sondern gefährlich, gesundheits- und umweltschädlich. Der Uran-Raubbau kontaminiere Menschen und Natur großflächig. Sie lehne die atomare Wasserstoffstrategie ab. "Deutschland muss seinen zukünftigen Wasserstoffbedarf reduzieren, anstatt damit Atomkraft und Erdgas durch die Hintertür zu fördern.“

Mit dem Vorstoß der Bundesregierung anlässlich der deutschen Ratspräsidentschaft wird deutlich, was es mit der in den letzten Monaten so lautstark propagierten "grünen und nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft" auf sich hat. Sie ist ein Fake.

Mit der EU-Förderung von nuklearem Wasserstoff ist ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Bestandteil dieses scheinheilig vorgetragenen „grünen“ Konzeptes offengelegt. Bereits in die EU-Wasserstoffstrategie war fossiler Wasserstoff, der vor allem aus Erdgas gewonnen werden soll, einbezogen worden. Aber auch dieser sogenannte blaue Wasserstoff muss wohl als ein Zwischenschritt angesehen werden, bis die Atomkraftwerke der vierte Generation, wie sie vom supranationalen Konglomerat "Breakthrough Energy" angekündigt und finanziert werden, zur Verfügung stehen.

"Breakthrough Energy" ist eine von Bill Gates gegründete Organisation, der einige der wichtigsten westlichen Oligarchen angehören wie George Soros, Mark Zuckerberg (Facebook) und Jeff Bezos (Amazon). Vor diesem Hintergrund wird die Logik der neuen Strategie besser verständlich. Wenn Wind- und Solarstrom im Verbund mit der vierten Generation neuer AKWs in einem zukünftigen Energiesystem weltweit verheiratet würden, könnten sowohl die neue US-Regierung, deren zukünftiger Präsident diese Pläne begrüßt und unterstützt, wie auch alle anderen, westlich ausgerichteten Regierung sie als den großen Wurf im Kampf gegen die Klimakrise verkaufen. Es würde zudem eine weitere Argumentationslinie gegen die Ostseepipeline mit russischem Erdgas für Westeuropa eröffnen. Gleichzeitig würde deutlich, in welchen großen Linien die Energieversorgung in einer neuen Weltordnung angelegt sein würde, nach dem Motto: Wir tun ja was.

Diese neue Strategie, deren Kern in der Öffentlichkeit bislang nicht thematisiert wurde, hat allerdings mehr als einen Pferdefuß. Zum einen ist die angebliche große Sicherheit der neuen Atomkraftwerke erst einmal nur eine Behauptung der daran interessierten Seite. Ob sie stimmt, wird sich wohl erst herausstellen, nachdem die Bauentscheidungen zugunsten der vierten Generation von Atomkraftwerken gefallen sind. Die Erfahrungen, welche die Menschheit mit der Atomenergie gemacht hat, lassen keine anderen Schlüsse zu. Desweiteren muss das neue Narrativ vom Verbund der Erneuerbaren mit der Atomenergie von Anfang an mit spitzen Fingern angefasst werden. Beide Technologien sind bittere Konkurrenten und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Charmeoffensive von der neuen Liebe zwischen Solar, Wind und Atom ist ein geschickter Propagandatrick, um die Atomenergie aus der Schmuddelecke heraus zu holen. Zugleich soll sie auch die Wasserstofftechnologie, die trotz großer Sprüche von Politikern wie Peter Altmaier noch keine wirtschaftlichen Vorteile aufzuweisen hat, mit dem bislang vermissten Glanz versehen. Wasserstoff herzustellen erfordert eine zusätzliche Transformationsstufe, egal mit welchem Strom es erzeugt wird. Das bedeutet immer einen Energieverlust und ist ökonomisch betrachtet ein Nachteil gegenüber der Primärenergie Wind und Solar. Mit großtechnischen Anlagen wollen die alten Energiepolitiker diesen Nachteil ausgleichen und sich zugleich neue, profitable Kapitalanlagemöglichkeiten erschaffen. Das nennt man politische Ökonomie. Wie diese funktioniert, lässt sich seit über 200 Jahren Kapitalismus verfolgen.

Sollten sich die AKW der vierten Generation durchsetzen, wäre es schnell mit der Liebe zwischen Atom und Erneuerbaren vorbei. Dann würde wieder erbitterter „Wettbewerb“ einziehen. Wie wenig das aus der Luft gegriffen ist, belegt eine vom Bundeswirtschaftsministerium in der vergangenen Woche vorgelegte Ergänzung zur EEG-Novelle 2021, die für grünen Wasserstoff zwar eine EEG-Umlagebefreiung bis 2030 vorsieht, aber nur für PPA-Anlagen - also solche mit Stromabnahmeverträgen statt EEG-Vergütung. Für viele EE-Anlagenbetreiber aus der mittelständischen Bürgerenergie ist das ein knallharter Ausschluss. Die Liebe zwischen Atom und Erneuerbaren schließt offenbar die dezentralen, kleinen Anlagen der Bürgerenergie nicht mit ein. Und noch etwas anderes zeigt sich: Wer nach der nationalen Wasserstoffstrategie ruft, könnte -- auch ungewollt -- schnell zum Atomkraftförderer werden.

 

Quellen und Verweise:
BUND lehnt atomare Wasserstoffstrategie der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab
Kernkraft ahoi
Verordnungsermächtigung für grünen Wasserstoff, PV Magazin 26.11.2020


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